Autorin: Selina Steiner

Unter diesem Motto stand kürzlich die Präsentation des gleichnamigen von Univ.-Prof. Dr. Josef Christian Aigner und Univ.Ass. Dr. Gerald Poscheschnik von der Fakultät für Bildungswissenschaften herausgegebenen Werkes in der Bundesbildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BBAKIP).

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Prof. Aigner und BAKIP-Dir.in Mag. Berchtold. Bild: Selina Steiner

Die Ortswahl war nicht zufällig: die Wissenschaftler erklärten, ganz bewusst die Kooperation mit dem Ausbildungs- und Praxisfeld der Kindergartenpädagogik zu suchen. Auf der Grundlage mehrerer FWF-Studien werden im Buch wesentliche Fragen rund um das Thema Männer im Kindergarten aus psychoanalytischer und erziehungswissenschaftlicher Perspektive diskutiert: Brauchen Kinder Männer? Aber auch: Brauchen Männer Kinder? Was machen männliche Kindergartenpädagogen anders als weibliche?

Wissenschaft trifft Praxis-Ausbildung

Anknüpfend an seine Vaterforschungsprojekte widmet sich Prof. Aigner mit einem Team in dem neuen Buch der Erforschung der Wirkung männlicher Pädagogen auf Kinder. Insbesondere die psychoanalytischen Autoren betonen in ihren Beiträgen die Bedeutung der Präsenz eines „männlichen Dritten“ in dem bislang von Frauen dominierten Kinderalltag. Was aber bedeutet Männlichkeit für Kinder im Kindergarten empirisch gesehen? Obwohl Fachkräfte beiderlei Geschlechts sich in der Erziehungsqualität nicht unterscheiden, wurden doch Unterschiede in den pädagogischen Interaktionen deutlich: ein körperlich aktiverer Umgang mit den Kindern, den diese auch von den Männern fordern, eine höhere Toleranz bezüglich der Einhaltung von Regeln und eine höhere Risikobereitschaft, da sie den Kindern mehr zutrauen, kennzeichnen den „männlichen“ Erziehungsstil, erklärten Mag. Gabriele Schauer und Dr. Bernhard Koch.
Die Kinder selbst scheinen von den – in Österreich mit 0.8 % des Kindergartenpersonals „exotischen“ - Männern im Kindergarten „wie magnetisch“ angezogen zu werden. Insbesondere die Jungen „hängen sich regelrecht dran“ an die männlichen Pädagogen, gehen bei gemischtgeschlechtlichen Teams mehr aus sich heraus als bei ausschließlich weiblichen, berichteten MMag. Laura Burkhardt und Dr. Johannes Huber aus ihren Studienergebnissen.

Gendersensible Ausbildung

Der Befürchtung, dass mehr Männer als Kindergärtner Geschlechterklischees Vorschub leisten würden, hielt Prof. Aigner entgegen, dass kulturell eher als “männlich“ konnotierte Haltungen ebenso wie die „weiblichen“ im Kindergarten präsent sein müssten, um beide überhaupt erst gendersensibel pädagogisch relativieren zu können. Außerdem sei es geschlechterpolitisch wichtig, dass Männer sich für Kinder zuständig fühlen und Kinder das merken, was auch zur Sensibilisierung und zum Ausbau der sozialen Kompetenzen der Männer beitrage – und damit Geschlechterklischees abbaue.
Mitautor Dr. Bernhard Koch sieht angesichts des Fehlens von Männern die Geschlechterpolitik gefordert: Es gehe dabei nicht vorrangig um Männer, sondern um einen Paradigmenwechsel in der Elementarpädagogik, der Männer und männlich konnotierte Eigenschaften mit einschließt und sie  im bisher eher vom traditionellen weiblichen Rollenverständnis geprägten Kindergarten präsenter werden lässt.
Der anregende Abend wurde schließlich auf Einladung von BAKIP-Direktorin Mag. Brigitte Berchtold mit einem Buffet und der Gelegenheit zum angeregten Austausch abgerundet.

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